Der Abschied von unserer Gebäudevielfalt
Es war die schwerste Entscheidung überhaupt, vor der wir als Presbyterium der Kirchengemeinde Enger in unserer Sitzung am 20. Januar 2026 gestanden haben, als wir in Bezug auf die Zukunft der kirchlich genutzten Gebäude in der Gesamtgemeinde einen Beschluss fassen mussten.
Für viele sind unsere Kirchen und Gemeindehäuser mehr als Gebäude. Es sind Orte der Begegnung, des Miteinanders, des Feierns, des Trostes und des Glaubens. Erinnerungen sind hier entstanden, Beziehungen gewachsen, Gemeinschaft wird hier gelebt.
Zugleich stehen wir als Kirche aber vor Herausforderungen, die wir verantwortungsvoll betrachten müssen: finanzielle Rahmenbedingungen, bauliche Gegebenheiten, veränderte Nutzungen und die Frage, wie wir unsere Ressourcen so einsetzen, dass gemeindliches Leben auch in Zukunft möglich bleibt.
Eine Rahmenvereinbarung für die Gebäudeentwicklung, die ja den ganzen Kirchenkreis betrifft, ist ein Beschluss der Kreissynode vom 23/24.5.2025 (einsehbar unter: https://www.kirchenkreis-herford.de/uploads/HTFCy4ej/2025-05ProtokollSynodefinal.pdf (Stand 18.2.2026)).
Die Herausforderungen, denen sich der Kirchenkreis im Rahmen seiner Gebäudestrukturentwicklung stellen muss, sind die immer kleiner werdende Anzahl der Gemeindemitglieder und damit verbunden schwindende Kirchensteuermittel bei steigenden Ausgaben. Es können nicht mehr alle bestehenden kirchlich genutzten Gebäude über Kirchensteuermittel finanziert werden. Das bedeutet den Abbau von 50 % aller kirchlich genutzten und über Kirchensteuermittel finanzierten Gebäude.
Diesem Gebäudeabbau ist in den letzten Jahren schon ein Abbau der Pfarrstellen vorausgegangen. In unserer Gemeinde sind von ehemals 4,75 Stellen nur noch 2,75 übrig.
Die Frage, wie wir mit der Notwendigkeit, 50% unserer kirchlichen Gebäude abzugeben umgehen, hat uns als Presbyterium vor eine schwierige Entscheidung gestellt. Zusammen mit der Kirchengemeinde Spenge, mit der wir zu einer Region Enger-Spenge von Seiten der Landeskirche zusammengefasst werden, müssen wir ein Gebäudekonzept erstellen, das die genannte Forderung für jede der beiden Gemeinden erfüllt. Ein Beschluss dazu war unerlässlich, da vom Kirchenkreis hinsichtlich des Gebäudebedarfs bzw. des Gebäudekonzeptes die Handlungsfähigkeit des Presbyteriums erwartet wird, welche sonst in Frage gestellt werden könnte.
Für die Gesamtgemeinde Enger standen 6 Gebäude zur Entscheidung:
- die Stiftskirche und das Gemeindehaus an der Stiftskirche,
- die Lukaskirche in Steinbeck-Besenkamp und das Gemeindehaus an der Lukaskirche
- das Gemeindezentrum Oldinghausen/Pödinghausen
- das Gemeindezentrum Westerenger (Kirche + Gemeindehaus werden als ein Gebäude gezählt)
In unserer Sitzung im Januar haben wir im Presbyterium folgenden Beschluss gefasst:
Aus Kirchensteuermitteln erhalten bleiben und werden renoviert die Stiftskirche und das Gemeindehaus an der Stiftskirche.
In die Trägerschaft des Kirchenkreises übergeben werden soll das Gemeindehaus an der Lukaskirche als neuer Standort des Jugendzentrums Zebra.
An die Entwicklungsgesellschaft des Kirchenkreises abgegeben werden zum 01. Januar 2027 die Lukaskirche, das Gemeindezentrum Oldinghausen/Pödinghausen und das Gemeindezentrum Westerenger.
Für das gemeindliche Leben an den oben genannten Standorten werden alternative Orte in Zusammenarbeit mit den Teams und der Stadt Enger im Laufe dieses Jahres gesucht.
Bis Ende des Jahres 2026 können alle geplanten Veranstaltungen stattfinden, ab Januar 2027 gibt es keine Planungssicherheit mehr.
Uns ist bewusst, dass die Schließungen nicht nur sachliche Fragen aufwerfen, sondern auch Gefühle – Sorge, Traurigkeit, vielleicht auch Unverständnis oder Ärger.
Der Beschluss, der dem Presbyterium nicht leichtgefallen ist, ist das Ergebnis von zwei Sondersitzungen und der Auswertung von persönlicher Bewertung für jedes Gebäude. Dem sind vier Gemeindeversammlungen, viele Gespräche mit den Teams vor Ort und Diskussionen in unterschiedlichen Gruppen und Kreisen sowie etliche Nachfragen beim Kirchenkreis vorausgegangen. Die Erhaltung der Stiftskirche und des dazugehörigen Gemeindehauses war am Ende mit deutlicher mehrheitlicher Zustimmung unstrittig, ebenso wie die Abgabe des Gemeindehauses an der Lukaskirche in die Trägerschaft des Kirchenkreises für ein Jugendzentrum. Hierzu werden Verhandlungen mit dem Kirchenkreis und dem Amt für Jugendarbeit beim Kirchenkreis sowie mit der zuständigen Leiterin des Jugendzentrums geführt.
Die Entscheidung, eines der weiteren Gebäude zu erhalten, wurde mehrheitlich abgelehnt, denn welches Gebäude hätte das sein sollen. Die drei übrigen Gebäude lagen in der persönlichen Bewertung so nah beieinander, dass eine deutlich mehrheitliche Entscheidung für eines der Gebäude nicht möglich war. Und eine Spaltung der Gemeinde durch eine gefühlt ungerechte Entscheidung wollte niemand im Presbyterium. Eine sinnvolle und finanzierbare Alternative zur Abgabe der Gebäude haben wir leider nicht gefunden.
Was passiert mit den Gebäuden, die abgegeben werden?
Sie werden in die Entwicklungsgesellschaft des Kirchenkreises gegeben. Das bedeutet, dass sich der Kirchenkreis innerhalb von 3 Jahren um Investoren für diese Gebäude bemüht. Deshalb sollen die Gebäude ab 1.1.2027 auch nicht mehr wie gewohnt genutzt werden, da die Vermarktung von einem Tag auf den anderen (kurzfristig) möglich sein muss. Wenn diese Gebäude weiter durch die Kirchengemeinde genutzt werden sollen, ist ein Nutzungsentgelt zu zahlen.
Wie geht es jetzt 2026 weiter?
Die Übergabe der Gebäude wird von Frau Drewes, unsrer Verwaltungsmanagerin, verwaltungstechnisch vorbereitet und durchgeführt.
Mit den angestellten Mitarbeitenden werden persönliche Gespräche geführt, um mit ihnen gemeinsam gute Lösungen für nötige Veränderungen der Arbeit zu finden.
Mit den einzelnen Gruppen und Kreisen werden wir das Gespräch suchen, um ihre Bedarfe zu erfahren und für sie gute Alternativen zu finden.
Die Teams an den Standorten sollen in die Suche nach alternativen Räumen und Möglichkeiten eingebunden werden. Gleichzeitig sollen sie auch Möglichkeiten der Fortführung des Gemeindelebens an den Standorten mitentwickeln.
Denn Gemeindeleben ist nicht auf einen Ort fixiert und auch Gottesdienste sind außerhalb von Kirchgebäuden möglich, wie z.B. Adventsgottesdienste auf dem Bauernhof und Taufen am Bolldammbach zeigen. Gott wohnt nicht in Kirchen, sondern bei seinen Menschen. Er ist da, wo wir uns in seinem Namen treffen.
Was geschieht mit zweckgebundenen Spenden?
Mit der Schließung von Gebäuden stellt sich die Frage, wie mit Spenden verfahren wird, die zweckgebunden für ein bestimmtes Gebäude gesammelt wurden. Diese Spendenzwecke fallen mit der Schließung weg. Seitens der Kirchengemeinde bieten wir an, die Spenden, soweit gewünscht, an den Spender zurückzuzahlen. Gleichzeitig möchten wir aber auch darauf hinweisen, dass die Verwendung der Gelder für andere Projekte, die in Zukunft anstehen, der Gemeinde sehr weiterhelfen würden.
Des Weiteren gibt es wertvolle Sachspenden. Diese werden vor der Übergabe der Gebäude gesichert und es wird eine gute neue Verwendung gesucht, z.B. im Rahmen der Sanierung der Stiftskirche und des Gemeindehauses.
Der Beschluss war eine schwere Entscheidung und bedeutet einen schmerzlichen Prozess des Abschiednehmens. Gleichzeitig möchte ich aber Mut machen, gemeinsam nach vorne zu schauen und nach guten Lösungen zu suchen. Dann wird auch an den Standorten gemeindliches Leben weiterhin möglich sein, denn Kirche sind nicht die Gebäude, sondern wir Christen und Christinnen, die in unserer Gemeinde zusammen unterwegs sind. Ich wünsche mir, dass wir als Presbyterium gemeinsam mit allen Ehrenamtlichen, Hauptamtlichen, den Mitgliedern unserer Gemeinde und den Menschen der Stadt Enger den Weg in die Zukunft unter Gottes Segen gehen. Dann kann sie gut werden.